Kabeltrassenplanung Konieczny
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E-Mobilität: Erfahrungsberichte

Vorbemerkung: Die aktuellen Daten und Werte beziehen sich auf den momentanen Stand der Dinge und werden asap aktualisiert und ergänzt (Stand:September 2019).


Eines der wichtigsten Themen unserer Zeit ist mit Sicherheit die Elektromobilität in all ihren Facetten und Ausprägungen. Anbei einige Erfahrungen mit der Elektromobiliät aus der Sicht eines Autofahrers.


Ich bin seit dem 01.07.2019 Besitzer eines Dieselhybrid-Kombis, Typ Mercedes E300 dE. Er verfügt über einen Dieselmotor mit ca. 200 PS und zusätzlich über einen Elektromotor mit ca.100 PS, was dem Fahrzeug bei voller Batterieladung eine Gesamtleistung von ca. 300 PS verleiht. Der Dieseltank hat ca. 60 Liter Fassungsvermögen; die Batterie verfügt über eine max. Ladekapazität von ca. 13,5 kWh, davon sind in etwa 11 kWh alltagstauglich nutzbar.

Anmerkung: Der Unterschied zwischen max. Ladekapazität und nutzbare Kapazität beträgt ungefähr etwas mehr als 10% und ist darin begründet, das eine Voll- (tief) entladung den Akku nachhaltig schädigt.


Bei voller Batterieladung kann ich je nach Verkehrslage ca. 40 km weit rein elektrisch fahren. Das reicht Innerstädtisch vollkommen aus, um elektrisch unterwegs zu sein. Ich fahre momentan regelmässig 40 km einfach zur Arbeit. Die Praxis zeigt nun, das ich auf der Hinfahrt für eine kurze Zeit auf der Autobahn den Diesel nutze und zu 90% rein elektrisch fahre. Zurück gehts dann genau umgekehrt mit ca. 90% Dieselbetrieb und ca. 10% Elektrobetrieb.


Bezüglich des Stromverbrauchs ergibt sich ein Wert von ca. 22-25 kWh / 100 km.


Ein besonderer Aspekt beim E-Auto ist die Rekuperation. Aus dem Rennsport kennen viele vielleicht KERS. Die beim Bremsen über den E-Motor gewonnene Energie wird wieder in den Akku eingespeist.


Die Fahrt mit dem Dieselhybrid ist fast genauso wie mit jedem anderen Automatikauto (anders als Automatikgetriebe geht gar nicht), nur das man nun deutlich weniger tanken muss und, falls man Wert auf Spritsparen legt, allgemein ruhiger und nicht mehr allzu schnell fährt. Und natürlich hat eine angepasste schonende und langsame Fahrweise einen erheblichen Einfluss auf den Verbrauch.


Der von mir gefahrene Mercedes-Kombi hat laut Werksangaben einen Verbrauch von 1,6 Liter Diesel auf 100 km. Hört sich verdammt wenig an, ist es auch! Im täglichen Verkehr komme ich so im Schnitt auf etwas über zwei bis drei Liter auf 100 km. Dies setzt aber eine konsequente Nutzung der Stromtankstellen voraus. Falle es mehr E-Tankstellen geben würde, könnte man mit dem Auto fast rein elektrisch fahren.


Der Dieselhybrid gibt einem im Augenblick die Sicherheit, falls es bis zur nächsten E-Tankstelle nicht reicht, das man immer noch nach Hause kommt.


Zahlen und Rechenbeispiele

Nachfolgende Angaben bei den Beispielen sind geschätzt bzw. beruhen auf eigene Erfahrungen. Abweichungen nach oben und unten sind naürlich möglich und beruhen auf dem heutigen Stand: 05.09.2019.


Basis für die Vergleichsbetrachtung ist die Energie. Die Energie ist recht einfach umrechenbar und eignet sich somit zum Vergleich der unterschiedlichen Ausprägungen von Energie und können in jedem physikalischen Tabellenbuch nachgeschlagen werden. Für unsere Betrachtung sind wichtig:


Bewegungsenergie: E=1/2*m*v²


chemische Energie, gespeichert als flüssiger Kohlenwasserstoff (schwefelfrei):

1 Liter Diesel = ca. 43000 kJ

Benzin, Kerosin, Alkohol, Erdgas (CH4-Methan) und die verwandten Flüsssiggase Propan und Butan haben ähnliche Energieinhalte bezogen auf das Gewicht (kg).


Elektrische Energie, gespeichert in einem Akku oder ggf. einem Kondensator (z.B. Goldkaps): 1kWh.


Umrechnung von 1 Liter Diesel nach kWh:

43000 kJ = 11,9 kWh = 1 Liter Diesel

1 kWh = 0,084 Liter Diesel


Bei genauer Betrachtung fällt auf, das es bezüglich des Diesel- und Stromverbrauchs beim Fahren im Auto eine Diskrepanz gibt. Die erklärt sich aus dem Unterschied bei den Wirkungsgraden der Antriebe. Ein Dieselmotor hat einen Bestwirkungsgrad von ca.35% (Benziner ca. 30%), während ein E-Motor auf ca. 90% kommt und zusätzlich die Bremsenergie wieder zurück in die Batterie speichert.



Kosten

1 Liter Diesel kostet im Schnitt zwischen 1,15 und 1,35 Euro (gewogenes Mittel = 1,25 Euro)

Der Durchschnittsverbrauch eines Mittelklassekombis liegt bei ca. 8 Liter Diesel pro 100 km.

Spritkosten auf 100 km: 8 Liter Diesel/100 km x 1,25 Euro/Liter Diesel = 10 Euro pro 100 km

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Der Durchschnittsverbrauch des Dieselhybrids im reinen E-Modus beträgt ca. 25 kWh/100 km.

1kWh aus der Haussteckdose kostet bei einem Stromanbieter ca.0,28 Euro/kWh

Stromkosten/100 km: 25 kWh/100km x 0,28 Euro/kWh = 7 Euro/100 km.


Die Preisspanne beim E-Tanken reicht je nach Vertrag mit örtlichen Stromanbietern zwischen 0 bis 0,39 cent/kWh.


Es ergibt sich somit beim E-Tanken an der Haussteckdose ein ungefährer Preisvorteil von 3 Euro/100 km. Bei geschätzen 30.000 km/Jahr Fahrleistung rein elektrisch wäre das eine Einsparung von  900 Euro / Jahr für ein reines Elektromobil. Das Einsparpotential verringert sich beim Hybrid um den Anteil der auf Dieselbetrieb gefahrene Strecke.


Zur Zeit fahre ich zu 50 % im reinen Elektrobetrieb.


Für E-Autos und Hybrid-Autos gibt es neuerdings die 0,5%- Dienstwagenreglung. Weiterhin ist die KFZ-Steuer entfallen (E-Auto) bzw. reduziert (Hybrid). Die Anschaffungskosten liegen um ca. 5.000-20.000 Euros über den von reinen Verbrennern.


Darüber hinaus kann man die im Auto eingebaute Batterie gesondert absetzten. Hier ist ein Angebot beim Autohaus/Werkstatt über eine Ersatzbatterie hilfreich, das man beim Finanzamt einreichten kann.


Ladezeiten

Für das Laden einer leeren Batterie wird Zeit benötigt, die im nachfolgenden Beispiel gezeigt wird.


Annahme: Batteriekapazität 10kWh

Ladesäulenleistung: 1kW

Ladedauer1kW: 10kWh / 1kW = 10 Stunden (dieser Wert gilt in etwa für eine Haussteckdose


Die modernen Ladesäulen haben je nach Auslegung Ladeleistungen von 11kW/22kW/50kW und sogar 150kW.


Dann berechnet sich die Ladezeit für eine 50kWh-Batterie wie folgt:

Ladedauer11kW: 50kWh / 11kW = 4,5 Stunden

Ladedauer22kW: 50kWh / 22 kW = 2,3 Stunden

Ladedauer50kW: 50kWh / 50kW = 1 Stunde

Ladedauer10kW : 50kWh / 150kW = 20 Minuten.


Das ist jedoch leider nur eine ideale Annahme, da sich die Ladezeit mit zunehmender Batteriefüllung abschwächt (Ladehysterese), so das die tatsächliche Ladezeit für eine Volladung immer länger ist (ca. eine halbe Stunde).


Stromtanken-das Problem:

Ich bin an meinem Wohnort mit einer Laternenstromtankstelle gesegnet (Prototyp!), die nur vier Fußminuten von meiner Wohnung entfernt ist. Die nächste für mich nutzbare Stromtankstelle ist momentan mehr als 2 km von meinem Wohnort entfernt. Für einen Berufspendler, der jeden Tag das Auto nutzt und es mit Strom betanken will, ist das ein absolutes No-Go, denn wer jeden morgen an fünf Tagen in der Woche pünktlich auf der Arbeit sein muss, kann dann nicht noch zusätzlich erstmal 20-30 Minuten zu seinem irgendwo geparkten Fahrzeug laufen oder sonstwie hinkommen.


Angekommen an meinem Arbeitsort würde ich nun gerne wieder mein Auto aufladen wollen. Es gibt im Umkreis von zwei km auch etliche Stromtankstellen, jedoch ist eine seit über einem Jahr Dauerdefekt und die anderen sind gar nicht oder fussläufig nur schwer erreichbar.


Das ist alles ärgerlich, jedoch richtig knifflig wird es beim Bezahlen. An meinem Wohnort habe ich einen sehr günstigen Tarif meines Stromanbieters, bei dem ich eine Flatrate gebucht habe. Kabel reinstecken, los gehts mit Billigstromtanken. In Düsseldorf jedoch ist ein anderer Anbieter Hauptstromlieferant, was wiederum einen zusätzlichen Vertrag bedingt, will man deren Stromquellen nutzen.


Ich reise neben meiner beruflichen Tätigkeit an den Wochenenden viel durch Deutschland und komme so auf über 3000 km pro Monat. Hier nutze ich so gut es geht alle Möglichkeiten, Strom zu tanken. Eine davon ist, die Haushaltssteckdose zu nutzen. Ein langes Verlängerungskabel vom Haus aus durch den Garten gelegt, verbindet dann nachts die Autobatterie mit dem Hausstrom, der für ca. 28 Cent pro kWh zu haben ist.


Aldi und Co haben sich mittlerweile auch für das Thema interessiert und bieten an ausgewählten Standorten seit neuestem (kostenlose) Stromtankstellenparkplätze an. Auf den ersten Blick eine schöne Idee. Leider reicht die Zeit beim Einkauf (in der Regel ca. 20 Minuten) nur für wenige Prozent Ladekapazität und ist deshalb nur eine gute Marketingstrategie, die ich trotzdem toll finde.


Ein erstes Fazit

Ein E-Auto zu fahren bringt Spass und hat das Potenzial zum Spritsparen, man muss jedoch noch etliches beachten. Der von mir genutzte Dieselhybrid erlaubt momentan noch kein reines elektrisches Fahren, denn dazu ist die aufgepimpte und wie von einem Hobbybastler hinten im Kofferraum plazierte Batterie im Mercedes noch zu schwach. Darüber hinaus ist die Batteriekante ärgerlich und stört einem beim Beladen von Bierkästen oder Taschen. Hier sollte von hochbezahlten Ingenieuren und Prämium-Marketingstrategen deutlich mehr kommen (Note 4-). Das E-Laden am Abend nach Feierabend ist für mich noch recht problemlos, das ich zur Zeit keine Konkurenz an meiner Stromlade-Laterne habe. Vom Parkplatz zur Wohnung gehen und morgens wieder zurück zum Auto ist wie mit dem Hund Gassi gehen. Das Ladekabel anstecken oder hinterher wieder im Kofferraum reinzuschmeissen ist lästig, aber man gewöhnt sich dran.


Was wirklich einem den Spass verderben kann, ist die unzureichende Verfügbarkeit von Ladestationen abseits der gewohnten Parksituationen. Natürliche Parkplätze, wie an öffentlichen und interessanten Orten und mit Ladestationen versehen, sind absolute Mangelware. Dazu die zur Zeit noch unübersichtliche Situation der verschiedenen Stromanbieter macht die ganze Sache ärgerlich. Aber trotzdem ist alles ein hoffnungsvoller Anfang, um deutlich spritsparender und damit umweltfreundlicher von A nach B zu kommen.


Bei einem reinen E-Auto mit sagen wir mal 300 km Reichweite hätte ich zur Zeit noch die Schere mit dem Liegenbleiben auf offener Strecke im Kopf. Hier muss wesentlich mehr Disziplin gehalten werden, als mit einem Auto, das ich an jeder X-beliebigen Tankstelle in ein paar Minuten volltanken kann. Ein Ausweg könnten sogenannte Schnellladestationen sein, die es innerhalb weniger Minuten schaffen, eine Batterie schnell zu laden. Dies setzt jedoch wiederum eine völlig neue Ladeinfrastruktur mit Ladeleistungen weit über 100 kW, dicken Zuleitungen und den entsprechenden Batterieladekonzepten voaus, was noch alles in den Kinderschuhen steckt.


E-Auto versus Hybrid


E-Tanken-Stand: 25.11.2019

Seit letzter Woche ist die Laternentankstelle durch Vandalismus beschädigt worden. Daraufhin wurde sie diese Woche abgebaut. Meine nächste Stromtankmöglichkeit ist jetzt ca. 2,5 km von meinem Wohnort entfernt. Das notwendige tägliche Laden ist mir momentan so nicht möglich. Auf telefonische Nachfrage beim Stromversorger Innogy/ ELE und der Stadt Bottrop wurde mir mitgeteilt, das die Ladestation nicht mehr repariert wird. Somit kann ich momentan kein Strom tanken. Es bleibt mir nur der reine Dieselantrieb.


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